Jod im Überblick
- Definition: Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das dein Körper für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt.
- Schlüsselrolle: Schilddrüsenhormone steuern unter anderem Energieumsatz, Wärmehaushalt, Wachstum und die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem.
- Empfehlung: In Deutschland liegt der Referenzwert für Erwachsene bei 150 µg Jod pro Tag; in Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf erhöht.
- Hauptquellen: Jodsalz, Milchprodukte, Fisch/Meeresfrüchte und Eier; bei pflanzlicher Ernährung braucht es oft eine bewusste Strategie.
- Mangelzeichen: Ein längerfristiger Mangel kann zu einer vergrößerten Schilddrüse (Kropf) und Unterfunktion beitragen; in der Schwangerschaft ist eine gute Versorgung besonders wichtig.
- Zu-viel: Sehr hohe Zufuhr (z. B. über Algenprodukte) kann die Schilddrüse ebenfalls aus dem Takt bringen, vor allem bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen.
- Mythos: Eine „Jodallergie“ gibt es als echte Allergie gegen das Element Jod praktisch nicht; Reaktionen betreffen meist andere Bestandteile (z. B. in Kontrastmitteln).
Kurz erklärt: Was ist Jod?
Jod ist ein essenzielles Spurenelement. Essenziell bedeutet: Dein Körper kann es nicht selbst herstellen – du musst es regelmäßig über die Ernährung (oder gezielt über Supplemente) aufnehmen. Der wichtigste Job von Jod: Es ist Baustein für die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Ohne Jod kann die Schilddrüse diese Hormone nicht in ausreichender Menge bilden.
Bedeutung im Alltag: Wofür braucht dein Körper Jod?
Schilddrüsenhormone sind so etwas wie der „Taktgeber“ für viele Prozesse im Körper. Sie beeinflussen unter anderem:
- den Energieumsatz und die „Grunddrehzahl“ deines Stoffwechsels
- den Wärmehaushalt
- Herz-Kreislauf-Funktionen (z. B. Pulsfrequenz)
- Wachstum und Entwicklung – besonders von Gehirn und Nervensystem in Schwangerschaft und Kindheit
Weil diese Systeme so zentral sind, ist Jodversorgung ein Thema, das sich oft erst bemerkbar macht, wenn sie über längere Zeit nicht passt. Das macht Jod in der Praxis spannend: Es ist kein „Trend-Nährstoff“, sondern ein fundamentaler Grundbaustein.
Wie viel Jod pro Tag ist sinnvoll?
Für Deutschland wurden die Referenzwerte 2025 aktualisiert. Der Referenzwert für Erwachsene liegt bei 150 µg Jod pro Tag. In Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf erhöht. Zusätzlich wird für Schwangere häufig ein Jod-Supplement empfohlen (typischerweise 100–150 µg/Tag) – allerdings gilt: Bei Schilddrüsenerkrankungen sollte die Supplementation vorher ärztlich abgeklärt werden.
Hinter den Kulissen: Jod, Versorgungslage & Wissenschaft
Warum Jod „versorgungsabhängig“ ist
Der Jodgehalt in Lebensmitteln ist stark davon abhängig, wie viel Jod in Böden, Tierfutter und Salz verfügbar ist. Deshalb unterscheiden sich Versorgungsniveaus je nach Region deutlich. Weltweit gilt die Jodierung von Speisesalz als zentrale Public-Health-Strategie, um Mangel vorzubeugen.
Jod ist nicht gleich Jod: Warum Algen manchmal eine „Überdosis“ bereitstellen
Algen sind ein Sonderfall. Manche Arten (z. B. Kelp) können extrem hohe Jodmengen enthalten – und zwar sehr schwankend, je nach Herkunft und Verarbeitung. Für die Schilddrüse ist aber gerade Konstanz wichtig.
Was ist „zu viel“?
Für Europa wird häufig ein Tolerable Upper Intake Level (UL) von 600 µg Jod/Tag für Erwachsene genannt. Das ist keine Zielmenge, sondern eine Grenze, unter der bei langfristiger Zufuhr in der allgemeinen Bevölkerung voraussichtlich kein Risiko zu erwarten ist. Für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen kann die individuelle Toleranz deutlich niedriger liegen.
Der Mythos Jodallergie
Der Begriff „Jodallergie“ hält sich hartnäckig – ist aber wissenschaftlich irreführend. Eine echte Allergie gegen das Element Jod ist praktisch nicht das, was in der Medizin gemeint ist. Wenn Menschen auf jodhaltige Kontrastmittel oder bestimmte Desinfektionsmittel reagieren, liegt das meist an anderen Bestandteilen bzw. an komplexen Reaktionsmechanismen, nicht am Jod als Element.
Q&A: Häufige Fragen zu Jod
Ab wann solltest du auf deine Jodzufuhr besonders achten?
Spätestens wenn du wenig Fisch und Milchprodukte isst, kaum Jodsalz nutzt oder dich überwiegend pflanzlich ernährst, lohnt ein bewusster Blick auf Jod. In Schwangerschaft und Stillzeit ist eine gute Jodversorgung besonders relevant, weil der Bedarf steigt.
Wie viel Jod brauchst du pro Tag?
Für Erwachsene wird in Deutschland ein Referenzwert von 150 µg Jod pro Tag angegeben. In Schwangerschaft und Stillzeit liegt der Bedarf höher. Wenn ein Supplement genutzt wird, sollte das bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen vorher ärztlich abgestimmt werden.
Welche Lebensmittel enthalten besonders viel Jod?
Typische Jodquellen sind Jodsalz, Seefisch und Meeresfrüchte, Milchprodukte und Eier. Algen können ebenfalls sehr viel Jod liefern – allerdings mit stark schwankenden Gehalten, je nach Produkt und Herkunft.
Woran erkennst du einen möglichen Jodmangel?
Ein längerfristiger Mangel kann die Schilddrüse vergrößern (Kropf) und zu einer Unterfunktion beitragen. Mögliche Symptome einer Unterfunktion können Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Antriebslosigkeit oder Gewichtszunahme sein – diese Beschwerden sind jedoch unspezifisch und sollten immer medizinisch abgeklärt werden.
Kannst du zu viel Jod aufnehmen?
Ja. Sehr hohe Jodmengen können die Schilddrüse belasten und Funktionsstörungen begünstigen – besonders bei Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen. Häufige „Jodfallen“ sind stark jodhaltige Algenprodukte oder hochdosierte Supplemente ohne medizinische Indikation.
Brauchst du in der Schwangerschaft ein Jod-Supplement?
Oft wird in der Schwangerschaft zusätzlich zu einer jodbewussten Ernährung ein Jod-Supplement (häufig 100–150 µg/Tag) empfohlen. Wenn du eine Schilddrüsenerkrankung hast oder Schilddrüsenmedikamente einnimmst, sollte die Supplementation vorab ärztlich abgestimmt werden.
Ist Meersalz automatisch eine gute Jodquelle?
Nicht automatisch. Meersalz enthält nicht zwingend relevante Jodmengen. Entscheidend ist, ob das Salz jodiert ist – das steht dann entsprechend auf der Verpackung.
Was gilt für Jod bei Hashimoto oder anderen Schilddrüsenerkrankungen?
Hier ist Individualisierung wichtig: Manche Menschen reagieren empfindlicher auf hohe Jodmengen. Deshalb sollte die Jodzufuhr (inklusive Supplementen und Algenprodukten) bei Hashimoto, Morbus Basedow, Knoten oder anderen Schilddrüsenthemen mit Ärzt:innen abgestimmt werden.
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